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Urlaub! Nr. 1 Der Bus

Autor: Moritz | Datum: 31 Juli 2012, 16:14 | Kommentare deaktiviert

Es gehört schon ein gewisses Maß an Naivität dazu mit der jüngeren Schwester, die gerade mal eine halbe Woche Afrikaerfahrung hat, eine Rundreise in Tansania zu machen, ohne das einer von uns ein Wort Kiswahili sprechen könnte. Na gut. Wir haben es gemacht und ich war noch nie so erleichtert wieder sicher zurück in Ruanda zu sein. Es ließen sich Bücher mit unseren Erlebnissen füllen und ich werde versuchen möglichst viel zu erzählen, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, Schrecken und Erstaunen, Panik und Gelassenheit (die ich aber wahrscheinlich nur durch meine bisherige Afrikaerfahrung habe) – eine verrückte Reise.

Der Bus

Es ist kurz vor sechs Uhr morgens. Ich sitze mit versteinerter Miene auf einem Motorrad, auf dem Rücken trage ich unseren großen Reiserucksack, vor mir sitzt meine Schwester Laura, davor der Fahrer. Ich weiß nicht wie viel Uhr es ist. Ich traue mich nicht auf meine Uhr zu gucken und zu sehen, dass wir unseren Bus verpasst haben. Warum tun wir uns das an? Warum sind wir nicht pünktlich am Busbahnhof gewesen? Meine deutsche Seele brennt. Endlich kommen wir in die Nähe der Busstation an, nur um zu sehen das mehrere große Busse um die Ecke biegen. Direkt der erste mit der Aufschrift „Mohammed“ (unser Busunternehmen!?!). Von Adrenalin gepeitscht laufe ich hinter dem Bus her, rufe und versuche auf mich aufmerksam zu machen. Das Motorrad das mich  gerade abgesetzt hat fährt hinter mir her (wahrscheinlich damit ich ihn bezahle), da realisiert der Fahrer das wir gerade unseren Bus verpassen und ich springe hinten auf. Wir überholen den Bus (der dritte Tag in Tansania und schon eine Verfolgungsjagt) und ich halte ihn an (aus dem Augenwinkel beobachte ich noch, dass meine Schwester mir folgt). „Arusha?!?“ keuche ich die Insassen an und diese - schütteln den Kopf. Das Herz rutscht mir in die Hose, noch tiefer (man, gut das ich zwanzig bin und solche Sachen noch wegstecken kann). Der vierte Bus war es dann. Meine Schwester geht schon vor und ich hoffe mich endlich hinsetzen zu können, solange mich meine Beine noch tragen. Doch die Tansanier der ersten Reihen lassen mich nicht durch, fuchteln mit den Armen, texten mich in dieser merkwürdigen Sprache zu und lachen immer mal wieder. Muss ich noch irgendein afrikanisches Ritual bewältigen, ein Codewort sagen, oder wollen die Leute mich einfach nur in den Wahnsinn treiben? Kurz bevor ich dann noch tatsächlich wahnsinnig wurde fiel mir ein, dass ich ja noch die Motorradfahrer bezahlen musste. Ich klatsche irgendeinem Tansanier irgendeinen Geldschein in die Hand, wende mich ab, schwanke durch den Bus, falle auf meinen Sitz, neben meiner aufgelösten Schwester. Die ganze Busfahrt (17 Stunden) habe ich mich nicht mehr richtig beruhigt.

Ich schätze das wir mit diesem Auftritt das Muzungutum aufs nachhaltigste geprägt haben, indem wir mehrere kulturelle Grenzen gleichzeitig überschritten und das Ganze auch noch filmreif inszeniert haben.