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Wieder kurze Haare

Autor: Moritz | Datum: 27 Mai 2012, 20:12 | Kommentare deaktiviert

Sollte jemand der nach Ruanda kommt und zufällig lange Haare hat ein wirklich intensives Erlebnis haben wollen, sollte er sich auf jeden Fall die Haare schneiden lassen. Also es war so:

Kigali ist eine dieser Städte in denen man sich gerne verliert. In Geschäften, in Gesprächen und einfach nur beim Zugucken des städtischen Treibens. In die Moderne katapultierte Jugendliche tragen bunte Hemden, Mädchen Pants, Wolkenkratzer stehen zwischen Lehmhütten, Träger sitzen im Schatten einer Palme und rauchen. Als Weißer fällt man hier weniger auf, auch nicht auf einer über verwinkelte Flure erreichbaren Dachterrasse, daneben ein Pissoir mit dem besten Ausblick über Kigali. Taucht man ein in den Rhythmus aus Geschäftig- und Lässigkeit, kann man sich einfach treiben lassen und auch leicht in diese Stadt verlieben. So machen es auch Nicole und ich (sie ist eine Freiwillige aus dem Saarland und meine Nachbarin, der ich bei ihrem Visumsantrag in Kigali helfe) und wir sind nur ganz nebenbei auf der Suche nach einem Friseursaloon. Schließlich benutze ich wieder die altbewährte Methode und frage einen der unzähligen Leute die einfach nur am Straßenrand stehen oder sitzen. Hat jemand mein Anliegen verstanden funktioniert das dann so: Der Ruander dreht sich um, winkt uns zu und geht ohne sich noch einmal umzublicken auf das von uns angestrebte Ziel zu. Diesmal geht es durch eines der neuen Kaufhäuser bis wir dann vor einem arabisch gekleideten Friseur stehen. „Can you dress my hair?“ frage ich. Er befühlt meine Haare und sagt: „5000“ (ca. 6€). „What?!?“ sage ich (gespielt) entgeistert (und geübt in Verhandlungen). „Oh. Is it too much? No problem, say  a price“ „2500“ (ca. 3€). „Okay“ sagt er, ich setzte mich in den Barbiersessel und er nimmt mit etwas zitternden Fingern eine Schere in die Hand. „I want them short as yours“ bemerke ich, dass er sodann die Schneidemaschine auspackt und meine Haare kompromisslos abmäht, danach aber noch an allen Details perfektionistisch rumhantiert. „So das war’s dann“ denke ich, aber… „Now shampoo washing“ sagt der Friseur und führt mich hinter einem Vorhang mit einer Frau und ihren wunderbaren Händen, die allein dazu designed wurden meine (übrigen) Haare zu waschen und mich zu massieren. Das ist aber noch zu wenig der Worte: Es war der Himmel, ein Traum, Schokolade in Ruanda. Drei verschiedene Shampoos, 5 verschiedene Öle und Gels, zwei Wattestäbchen (für die Ohren), eine Bürste (für die Augenbrauen) und Puder später verlasse ich diese unglaublich erfahrenen Hände, lasse das Paradies hinter mir und strahle über das ganze Gesicht (das passende Foto dazu findet sich in meinen Fotoalben). Dann habe ich doch 3000 Ruanda Franc bezahlt mit dem Wissen das SO etwas in Deutschland mindestens 50€ gekostet hätte.