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Kommunikation in Ruanda

Autor: Moritz | Datum: 05 April 2012, 01:30 | Kommentare deaktiviert

Wie alle Völker dieser Erde haben auch die Ruander ihre Ticks und Macken und es ist mir eine Freude darüber zu berichten, da ich auch weiß, dass Ruander auch gerne Spaß haben (und ich manche dieser Kommunikationsmittel gar nicht schlecht finde): Da wäre natürlich einmal die Sache mit dem „r“ und dem „l“. Wie kann man denn gerade diese beiden Buchstaben verwechseln? Gerade im Englischen? Was würden Sie auf die Frage: „Where do you play?“ antworten? Die richtige Antwort: „In der anglikanischen Kirche.“ Oder „erection“ kann auch mal „Wahl“ heißen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Gerade beim Buchstabieren kann einen dieser Verwechslungswillen richtig rammdösig machen: Sage ich „arrrrr“ (mit dem aller amerikanischsten Gerolle) kommt doch wieder ein „l“ heraus. Und ich fange auch schon an!! Und erwische mich selbst dabei wie ich „vely“ oder „rearry“ sage. Aber es ist wirklich so: Der englische Wortschatz mancher Ruander ist dreimal so groß wie bei einem durchschnittlichen deutschen Schüler (mich eingeschlossen), aber bei der Aussprache sind die Ruander teilweise sehr speziell (und werfen mir das Selbe vor). Aber man versteht sich trotzdem. Irgendwie. Dafür sagt man dann einfach „eeee“ (langer warmer Ton), ist man erstaunt oder ungläubig sagt man „e-e-e-e“ (mit Stakkato, aus dem Bauch). Probiert das mal aus, das hat wirklich Stil: Ein Gesprächspartner formuliert einen schönen Gedanken (vielleicht zum Wetter) die andere Person macht „eeee“, diese Person sagt dann auch etwas (vielleicht über das beeindruckend große Auto das gerade vorbeigefahren ist) worauf die erste Person ein erstauntes (und ungläubiges) „e-e-e-e“ von sich gibt. Auch gut zum selbst ausprobieren und ein gutes Beispiel für komplexes kommunikatives Mienenspiel ist das „Lippenzeigen“: Möchte man auf irgendetwas zeigen und fühlt sich gerade zu schwach seine Arme zu heben (oder möchte die Kommunikation ein bisschen ausgefallener gestallten) stülpt man seine Lippen zu einem Kussmund und „zeigt“ dann mit diesem in die entsprechende Richtung: „Innocent kann ich mal dein Telefon benutzen“ fragt eine (hier nicht genauer benannte) Person „Ja kein Problem das liegt da (Lippen ausstülpen, Lippen nach rechts biegen und auf den Stuhl „zeigen“, Lippen wieder einstülpen)“sagt Innocent „Äh wo genau?“ fragt diese (in nonverbalen Kommunikationsmitteln nicht versierte oder auffassungslangsame) Person“ Innocent: „DA (Lippen möglichst weit ausstülpen, mehrmals deutlich (so deutlich jedenfalls wie das mit Lippen möglich ist)auf das Telefon zeigen, Lippen wieder zurückziehen und einstülpen)!“. Was mich auch ein bisschen wundert ist, dass Ruander bei gesellschaftlichen Anlässen auf besonders steife, langweilige und emotionslos vorgetragene Reden stehen. Bis jetzt hatte ich eher die Deutschen als Meister dieser Klasse gesehen. Bei all den Trauer, Festtags, Konfirmations und sonst wie gearteten Reden deutscher Onkel, Bürgermeister oder sonst wie wichtigen Personen, mit Pult, Zettelsammlung und ausdruckslosem Gesicht, hatte ich doch in Ruanda eine etwas lockere Art erwartet. Ich habe echt keinen blassen Schimmer warum denen das so gefällt. . . . Nein ich kann es wirklich nicht sagen. Somit ist die Kommunikation Ruandas immer noch ein Geheimnis, dessen tiefste Tiefen ich wahrscheinlich nie erreichen werde.