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Liebe Blogleser,

Autor: Moritz | Datum: 08 August 2012, 20:14 | Kommentare deaktiviert

(wenn es denn solche noch gibt (der einzige Beweis, dass jemand auf meinem Blog war sind nämlich die Kommentare)) meine Urlaub!- Serie ist noch nicht ganz beendet, aber ich bin schon dabei Ruanda zu verlassen. Am 10ten August werde ich ins Flugzeug steigen und dann ab Montag mit meinem Dualen Studium beginnen. Diejenigen die mich schon bald mit einem begeisterten Blick angucken und fragen werden „Wie war denn nun Ruanda?“, denen kann ich schon mal sagen, dass es eine Zeit mit Höhen und Tiefen war. Tausend Bergen und Tälern. Ja so ist das in Ruanda, also fragt bitte etwas anderes, wenn wir uns in Deutschland begegnen, oder guckt zumindest nicht so begeistert. Danke. Ich werde auch versuchen noch mehr zu meinem Urlaub zu schreiben, wenn ich noch Zeit finde, ansonsten kann ich nur den Blog von meinem Nachfolger Manuel empfehlen, der ab dem 26ten August in Butare sein wird. Ich freue mich schon sehr auf Deutschland und persönlich mit euch zu sprechen.

 

Euer Moritz

 

Urlaub! Nr. 4 Die Safari

Autor: Moritz | Datum: 05 August 2012, 00:42 | Kommentare deaktiviert

Während unsere bisherigen Erlebnisse eher (wie man so schön sagt) abgespaced waren, so fällt schon beim Start der Safari auf, dass jede zweite Touristengruppe aus Deutschland zu kommen scheint. Es ist schon ein bisschen merkwürdig wenn man mitten in Afrika in irgendeinem deutschen Dialekt angequatscht wird und sich auch sonst fast nur von Weißen umgeben sieht, deren Verhalten, zumindest nach meinen 10 Monaten in Afrika, mir doch ein wenig merkwürdig vorkommt. Ephraim heißt unserer Fahrer und Führer, eine tiefe und vielleicht ein bisschen komplizierte Seele, aber er hat uns doch alles gezeigt was es in den entsprechenden Parks: Lake Manyara und Ngorongoro Krater zu sehen gibt. Abgesehen von der Tierwelt gab es natürlich noch die Massai, über die ich gar nicht viele Worte verlieren möchte, wen das Thema interessiert kann sich ja nochmal mit meiner Mutter (oder Schwester) den Kinofilm Die weiße Massai reinziehen. Ja, ich muss sagen aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen, insbesondere der Kommerzialisierung und der offensichtlichen Exklusivität des Safaritourismus war ich nicht ganz so euphorisch, zumindest während der ersten Zeit. Besonders als wir dann unser Picknick mit Blick auf den See zwischen dem Toursitenadel (Wein aus entsprechenden Gläsern, beim Safaripicknick!) mit ihren unerträglichen und verwöhnten Blagen, auch unser Mahl verzehrten, habe ich mein Selbstbild nur dadurch beruhigt, dass wahrscheinlich seit der Kolonialzeit kein Tourist mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Ruanda nach Arusha gefahren ist, zumindest aber keiner von meinen Sportsfreunden hier. So und was war sonst so am ersten Tag? Da war Rumfahren, Giraffen, rumfahren, ein Safarimobilstau, ausgelöst durch Elefanten, rumfahren, Bob Marley (auf Kassette), Paviane und rumfahren. Angekommen in unserer Lodge machen wir eigentlich nichts außer rumhängen und essen. Die einzigen anderen Touristen hier, sind eine große Familie aus Südkorea, die lieber ihr eigenes Essen in der Küche des Gästehauses zubereiten: Eine klare Suppe mit Nudeln. Als meine Schwester und ich neugierig die Küche betreten und nachfragen, was es denn heute für die Koreaner zum Abendessen gibt, werden wir direkt von der ganzen Familie begeistert eingeladen mitzuessen (koreanisches Essen ist wirklich scharf!). Hier gibt es ihn also doch: den unkonventionellen Tourismus. Der tierische Höhepunkt unserer Safari war dann am nächsten Tag im Ngorongoro Krater, in welchem sich alle afrikanischen Tiere derart konzentriert sammeln, dass man sich wundert, dass es ihnen im ökologischen Sinne nicht zu eng wird. Auch hier sind wir wieder viel rumgefahren, haben Sträußen, Warzenschweine, Massen an Zebras und Gnus und einmal dichtzusammengedrängt eine Herde von mindestens 30 Safarimobilen gesehen, die wie sich herausstellte zwei Löwen beim fressen beobachteten. Dann sind wir auch dazu gefahren, unser Auto gehört ja zur gleichen Gattung. Genau auf uns schien die Löwin auch gewartet zu haben, sie ging zielstrebig auf unser Auto zu, Drumherum, setzte sich ins Gras und beobachtete meine Schwester. Die ist beinahe ausgeflippt, unser Dach war ja noch offen und der Löwe hätte ja auch einfach reinkommen und uns alle auffressen können. Wir haben aber nochmal Glück gehabt.  

 

Urlaub! Nr. 3 Der erste Tag in Arusha

Autor: Moritz | Datum: 02 August 2012, 13:24 | Kommentare deaktiviert

Der Plan für heute: Frühstücken, ein preiswerteres Hotel finden, ein Handykabel kaufen (ich hatte nämlich nicht nur meinen Pass vergessen (der mir dann von meiner Mitbewohnerin nachgeschickt wurde, bevor wir zur Grenze aufgebrochen sind), sondern auch mein Handykabel), Geld holen und vielleicht noch etwas zu Mittag essen. Von einem, für afrikanische Verhältnisse, üppigen Frühstück gestärkt betreten wir die Straße und wie auf einen unsichtbaren Befehl hin, strömen mehrere Afrikaner auf uns zu, wollen uns etwas verkaufen, uns anbetteln oder einfach nur ein nettes Gespräch führen, das uns aber gar nicht nett vorkommt, weil wir einfach kein Wort verstehen. Jedes englische Wort scheint die Meute auch noch anzustacheln und so bleibt uns nichts anderes übrig als sprachlos zu gucken und einfach weiter zu gehen. Wir müssen einfach bald etwas Kiswahili lernen! Wir gehen also zum nächsten Handyshop, ich klatsche mein Handy auf die Theke und sage: „I need a charger for this phone.“ „Sony Ericson, ee?“ antwortet der Verkäufer und innerhalb von zwei Sekunden habe ich ein neues Ladekabel für mein Handy. Meine Schwester schaut mich verblüfft an und ich nicht minder verblüfft zurück. Warum schaffe ich es nicht ein einfaches Brot zu kaufen, dafür aber ein spezielles Handykabel? Verrückte Welt. Wir gehen weiter um noch ein Internetkaffee zu finden, damit wir Kontakt mit unserem Safariunternehmen aufnehmen können. Jemand mit dem angenehmen Namen Abraham weißt uns den Weg und kurz darauf treffen wir Michel. Oder besser gesagt trifft er uns. Ich bin erst gar nicht so begeistert, dass wir jetzt von jemandem angeführt werden der unglaublich schnell spricht und jeden zweiten Satz mit Hakuna Matata beendet, auch weil ich davon ausgehe dass er irgendwann ein ordentliches Trinkgeld von uns verlangen wird. Tatsächlich aber geben wir ihm während unserer gesamten Reise nur eine Mahlzeit und ein Getränk aus, was verglichen mit dem Dienst den er uns erwiesen hat wirklich nicht viel ist. Mit seiner Hilfe schaffen wir es ein Internetcafé zu finden, Geld abzuheben, ein Hotel zu buchen (in welchem ich es geschafft habe mit einem bestimmten Fingertrick einen sehr guten Preis rauszuhauen) und schließlich zeigt er uns ein Restaurant in dem wir kurzer Hand Fisch bestellen, aus dem Viktoriasee. Der Fisch schmeckt wirklich hervorragend, aber kann es sein dass hier alles frittiert oder gebraten ist. Seit ich in Tansania bin habe ich jeden zweiten Tag Pommesomelette gegessen, ansonsten noch Mandasi (frittierter Teig) und jetzt Pommes und gebratener Fisch. Alles, so scheint es, muss hier triefen, nichts kann man essen, ohne dass die Finger schmierig werden. Wir sind alle gut drauf und glücklich, dass es alles so gut geklappt hat. Morgen früh geht es dann auch schon los mit unserer Safari.

Am Abend habe ich noch Lust irgendetwas zu machen, meine Schwester möchte lieber im Hotel bleiben und so gehen ich einfach in das benachbarte Café und bestelle mir eine Cola. Schon bald komme ich in ein Gespräch mit jemandem. Er heißt Kaleb und kommt aus Kenia. Erst unterhalten wir uns über Literatur, über Wirtschaft und Politik in Afrika und schließlich frage ich ihn was er gerade hier in Tansania macht. Da ruft er einen der umstehenden Leute her und der bringt ihm ein Stoffsäckchen. Kaleb wickelt es aus und zeigt mir mehrere Edelsteine, grünlich schimmernd, große und kleine, geschliffen und ungeschliffene. Äußerlich bleibe ich ganz ruhig, aber innerlich bin ich schockiert. Arbeiten all die Leute die um uns herum stehen für Kaleb? Und werde ich gerade Zeuge von einem Edelsteinschmuggel??? Tansanit heißen die grünen Steine, die wirklich schön aussehen und nur in Tansania abgebaut werden. Später erfahre ich, dass jeder berechtigt ist mit Tansanit zu handeln und mein Leben zu keiner Zeit in Gefahr war (wahrscheinlich wollte Tansania nur wieder einmal meine psychologische Belastungsgrenze austesten). Ich treffe mich sogar nochmal mit Kaleb, der mir eröffnet, dass er doch lieber auf den Goldhandel umsteigen würde und informiert mich dass sich übrigens die drittgrößte Goldmine Afrikas auf unserem Rückweg in Kahama befindet. Morgen werden wir dann aber etwas gewöhnlich Touristisches machen und afrikanische Tiere sehen, damit ich mich wieder ein bisschen entspannen kann.

 

Urlaub! Nr. 2 Die Busfahrt

Autor: Moritz | Datum: 01 August 2012, 15:51 | Kommentare deaktiviert

Wir sitzen im Bus. Wir sitzen doch tatsächlich im Bus! Ich kann es immer noch nicht so ganz fassen und habe mich erst nach ein paar Stunden so weit beruhigt, dass ich unsere anderen Mitfahrer beobachten kann. Wir sind natürlich die einzigen Weißen im Bus und auf der ganzen Busfahrt (17 Stunden) sehen wir auch nur einen einzigen weiteren Weißen, ich gebe es nur ungern zu, aber das man in Ruanda ständig Weiße sieht hat irgendwie eine beruhigende Wirkung. Direkt gegenüber sitzen ein wichtig aussehender Mann in Anzug und edlen Schuhen und daneben ein junger Mann – in Handschellen. Ich mache meine Schwester darauf aufmerksam und die guckt mich mit großen Augen an. Direkt davor sitzt eine junge Familie, mit einem kleinen Kind, die sich nur sehr selten bewegen und die ganze Fahrt keinen Ton von sich geben, außer als mich der Vater anspricht, dass wir jetzt eine Pause haben (nach nur 6 Stunden Fahrt von denen meine Schwester auch nur 4 Stunden auf die Toilette musste). Erleichtert steigen wir aus, nur um zu bemerken, dass wir mit der Situation völlig überfordert sind. Mitten im staubigen Tansania, zwischen tausenden Menschen, die ein kirmesartiges Halligalli veranstalten, die wir nicht verstehen, die uns nicht verstehen und zwar nicht nur verbal, sondern vom ganzen auftreten her. Mit dem Auftrag Brot zu kaufen wurschtle ich mich durch die Massen an Menschen, Krams und sonst wie gearteten Hindernissen. Die darauffolgende Verhandlung um einen Klumpen Weißbrot war eine Art Krönung dieses Kommunikationsvakuums, insbesondere als ich merkte, dass unser Bus schon wieder losfährt. Ich laufe wieder hinterher und lasse mich wieder neben meine aufgelöste Schwester fallen, die es irgendwie geschafft hatte den Busfahrer zum Anhalten zu bewegen. Es kann nur noch besser werden, denke ich mir und beschließe insbesondere darüber glücklich zu sein, dass ich immer noch in diesem Bus sitze. Aus dem Fenster sieht man ewige rotbraune Ebenen, vereinzelte Bäume und Büsche, urtümliche Lehm und Strohhütten, spielende Kinder, Rinder mit beeindruckend langen Hörnern- Afrika aus dem Bilderbuch. So hat Afrika auszusehen, denke ich mir und gebe dem Nationalismus der Tansania im Stillen recht, wenn es mich auch stört, dass nur wenige Englisch sprechen (und mir sogar mehrmals gesagt wurde „wenn du hier in Tansania bist, musst du auch unsere Sprache, Kiswahili, sprechen“) hoffe ich doch dass diese Kultur bewahrt bleibt.

Es ist schon dunkel geworden und wir nähern uns langsam unserm Ziel, was ich daran bemerke, dass ein älterer Massai zusteigt, mit einem Wanderstock und in ein Rotblaues Tuch gekleidet, klappt er kurzerhand sein getellertes Ohrläppchen über das Ohr, damit es bei der holprigen Busfahrt nicht so wackelt. Wir haben nur ein Problem: Wie sollen wir im dunklen in Arusha ein Hotel finden (inklusive der oben beschriebenen Kommunikationsprobleme). Ein Tansanier der von unserem Problem gehört hat bietet uns freundlich an zu helfen. Aber ich bin ein bisschen skeptisch, besonders gegenüber freundlichen Tansaniern (was mir ein bisschen untypisch erscheint) und er hat auch noch eine Zahnlücke. Allerdings entpuppt er sich als unser Retter, der sogar den Rezeptionisten zu einem geringeren Preis überredet und gibt uns noch seine Karte, auf der steht, dass er für ein Kinder Hilfs Projekt arbeitet (und ich hatte Angst wegen seiner Zahnlücke). Beide sind wir glaube ich selten so erleichtert ins Bett gefallen.

 

Urlaub! Nr. 1 Der Bus

Autor: Moritz | Datum: 31 Juli 2012, 16:14 | Kommentare deaktiviert

Es gehört schon ein gewisses Maß an Naivität dazu mit der jüngeren Schwester, die gerade mal eine halbe Woche Afrikaerfahrung hat, eine Rundreise in Tansania zu machen, ohne das einer von uns ein Wort Kiswahili sprechen könnte. Na gut. Wir haben es gemacht und ich war noch nie so erleichtert wieder sicher zurück in Ruanda zu sein. Es ließen sich Bücher mit unseren Erlebnissen füllen und ich werde versuchen möglichst viel zu erzählen, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, Schrecken und Erstaunen, Panik und Gelassenheit (die ich aber wahrscheinlich nur durch meine bisherige Afrikaerfahrung habe) – eine verrückte Reise.

Der Bus

Es ist kurz vor sechs Uhr morgens. Ich sitze mit versteinerter Miene auf einem Motorrad, auf dem Rücken trage ich unseren großen Reiserucksack, vor mir sitzt meine Schwester Laura, davor der Fahrer. Ich weiß nicht wie viel Uhr es ist. Ich traue mich nicht auf meine Uhr zu gucken und zu sehen, dass wir unseren Bus verpasst haben. Warum tun wir uns das an? Warum sind wir nicht pünktlich am Busbahnhof gewesen? Meine deutsche Seele brennt. Endlich kommen wir in die Nähe der Busstation an, nur um zu sehen das mehrere große Busse um die Ecke biegen. Direkt der erste mit der Aufschrift „Mohammed“ (unser Busunternehmen!?!). Von Adrenalin gepeitscht laufe ich hinter dem Bus her, rufe und versuche auf mich aufmerksam zu machen. Das Motorrad das mich  gerade abgesetzt hat fährt hinter mir her (wahrscheinlich damit ich ihn bezahle), da realisiert der Fahrer das wir gerade unseren Bus verpassen und ich springe hinten auf. Wir überholen den Bus (der dritte Tag in Tansania und schon eine Verfolgungsjagt) und ich halte ihn an (aus dem Augenwinkel beobachte ich noch, dass meine Schwester mir folgt). „Arusha?!?“ keuche ich die Insassen an und diese - schütteln den Kopf. Das Herz rutscht mir in die Hose, noch tiefer (man, gut das ich zwanzig bin und solche Sachen noch wegstecken kann). Der vierte Bus war es dann. Meine Schwester geht schon vor und ich hoffe mich endlich hinsetzen zu können, solange mich meine Beine noch tragen. Doch die Tansanier der ersten Reihen lassen mich nicht durch, fuchteln mit den Armen, texten mich in dieser merkwürdigen Sprache zu und lachen immer mal wieder. Muss ich noch irgendein afrikanisches Ritual bewältigen, ein Codewort sagen, oder wollen die Leute mich einfach nur in den Wahnsinn treiben? Kurz bevor ich dann noch tatsächlich wahnsinnig wurde fiel mir ein, dass ich ja noch die Motorradfahrer bezahlen musste. Ich klatsche irgendeinem Tansanier irgendeinen Geldschein in die Hand, wende mich ab, schwanke durch den Bus, falle auf meinen Sitz, neben meiner aufgelösten Schwester. Die ganze Busfahrt (17 Stunden) habe ich mich nicht mehr richtig beruhigt.

Ich schätze das wir mit diesem Auftritt das Muzungutum aufs nachhaltigste geprägt haben, indem wir mehrere kulturelle Grenzen gleichzeitig überschritten und das Ganze auch noch filmreif inszeniert haben.

 

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